Spiel

Das Kind sammelt im Spiel vielfältige Bewegungserfahrungen und übt Fertigkeiten ein: Es läuft, hüpft, klettert, wirft und fängt, lernt Raum, Richtung und Tempo einschätzen, erfährt aber auch sich selbst, seine eigenen Leistungs- und Handlungsmöglichkeiten und Grenzen. Im Umgang mit Spielgegenständen und Spielmaterial erweitert und differenziert sich das Beobachtungs-, Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen. Aber auch Denkprozesse werden durch Handeln und Problemlösen in den unterschiedlichsten Spielsituationen beim Begreifen, Erkennen, Entscheiden, Zuordnen ausgelöst. Schliesslich fordert das Spiel die Fähigkeit heraus, sich durch Sprache und Zeichen verständlich zu machen und andere zu verstehen. Das Kind sieht sich immer wieder vor die Aufgabe gestellt, Situationen einzuschätzen und sein Verhalten entsprechend einzurichten: "Was mache ich, wenn der andere das tut? Wie verhält er sich, wenn ich mich jetzt so benehme?" Es wird also im Umgang mit Mitspielern veranlasst, mit anderen in Beziehung zu treten, auf sie zu achten, Übereinkünfte zu treffen und sie einzuhalten, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse einzuschränken, sie zurückzustellen oder gegebenenfalls durchzusetzen, wenn das Spiel gelingen soll. Schließlich ermöglicht das Spiel dem Kind, sich darzustellen, eine Rolle oder Situation, die es erfahren hat, nachzuspielen oder sie nach seinen Wünschen und Hoffnungen umzudeuten. Das kann zur Bewältigung von Situationen führen, in denen das Kind zunächst unterlegen war. Im Spiel kann das Kind seine Welt einfangen, sie sich vertrauter machen und sie allmählich bewältigen.

Merkmale des Spiels:

  • Freiheit: Das Spiel ist zweckfrei aber sinnvoll. Es entsteht in einem entspannten Raum, der frei ist von Ansprüchen.

  • eigene Regeln / eigene Ordnung: Wo Menschen spielen, setzen sie ihrer Freiheit Grenzen (Regeln), weichen sie davon ab, löst sich das Spiel auf. Das Spiel hat eine besondere Zeitstruktur, d.h. es könnte von seiner Idee her unendlich weitergehen, wenn ihm nicht von aussen her Grenzen (Zeitbeschränkung, Punktebeschränkung) gesetzt würden.

  • Wiederholbarkeit: Das Spiel hat die Tendenz der Fortsetzung und Wiederholung in sich.

  • Als-Ob-Wirklichkeit: Die Wirklichkeit eines Spiels ist nur scheinhaft und nicht gleichzusetzen mit der des gewöhnlichen Lebens.

  • Spannung: Zum Spiel gehört die Spannung darüber, ob es glückt den Ball zu fangen, ob ich rechtzeitig ans Ziel komme usw.

 

(Anita Rudolf, Siegbert Warwitz, Spielen - neu entdeckt, Freiburg 1982)

 

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